Bürgermeisterwahl: Eine kurze Analyse

Für die Stichwahl hat es leider nicht gereicht: Bei der Bürgermeisterwahl in Gladenbach am 1. November habe ich 13,59 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen bekommen. Und bin damit auf Platz vier der Bewerber gelandet. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Endergebnisses war ich zugegeben enttäuscht – aber schon nach einer Nacht drüber schlafen hat sich die Enttäuschung des Wahlabends in Freude und Dankbarkeit verwandelt.

Rund 13,6 Prozent, das entspricht 592 Stimmen. 592 Gladenbacher*innen hatten die Wahl und haben für sich entschieden, dass ich der Richtige für den Bürgermeister-Job wäre. Für dieses Vertrauen möchte ich jedem und jeder Einzelnen sagen: DANKE! 💚 Danke, dass ihr an mich geglaubt habt. Danke, dass ihr mit eurer Stimme gesagt habt, dass unsere Stadt Veränderung dringend nötig hat. Danke für euer Kreuz für mehr Klimaschutz, mehr Bürgerbeteiligung, eine neue Art der Mobilität, für eine lebens- und liebenswerte Stadt!

Für viele in meinem Umfeld war das Ergebnis eine negative Überraschung, manche*r war sogar regelrecht geschockt. Sicher, alle innerhalb meines so engagierten Wahlkampfteams und im Familien- und Freundeskreis hatten mehr erhofft. Das Wahlziel Stichwahl habe ich sehr deutlich verfehlt. Aber: Als in Gladenbach relativ Unbekannter und dann – man muss es wohl so deutlich sagen – auch noch als Grüner aus dem Stand ein solide zweistelliges Ergebnis einzufahren, ist aller Ehren wert und ein toller Erfolg! Es gab den ein oder anderen, der mir ein Ergebnis von drei, maximal vier Prozent vorhergesagt hatte…

Meine Ergebnisse im Einzelnen

Grafik: Hinterländer Anzeiger v. 02.11.2020, Datenquelle: Wahlamt Stadt Gladenbach

Wahlkampf: Vollbremsung im März

Dieser Wahlkampf in Gladenbach war alles andere als gewöhnlich. Über allem schwebte das Corona-Virus: Als der Wahlkampf im Frühjahr gerade an Fahrt aufnahm, spitzte sich die Pandemie zu. Öffentliche Veranstaltungen von Vereinen, die ich besuchen wollte, wurden reihenweise abgesagt. Ebenso erging es den vier geplanten Podiumsdiskussionen mit allen (damals noch drei) Kandidaten. Der „Lockdown“ Mitte März zwang mich zur wahlkampftechnischen Vollbremsung. Denn Schulen und Kitas machten dicht, meine Kinder – und damit auch ich – waren fast elf Wochen zu Hause. Die Verschiebung der Bürgermeisterwahl vom 26. April auf zunächst unbestimmte Zeit war die logische Konsequenz der angespannten Lage.

Zum Frühsommer wurde der neue Wahltermin auf den 1. November festgelegt. Nach dem Sommerferien begannt dann der Wahlkampf 2.0 – allerdings mit angezogener Handbremse. Die geltenten Corona-Verordnungen des Landkreises ließen z.B. keine öffentlichen Dorfrundgänge oder Stadtteilgespräche zu. Öffentliche Podiumsdiskussionen wurden erst gar nicht mehr geplant. Ich habe versucht, die mangelnde Öffentlichkeit auszugleichen: u.a. durch mehr Präsenz in den sozialen Medien, mithilfe einer ganzen Serie von insgesamt 13 Infoständen in Gladenbach und Weidenhausen und durch verstärkten Haustürwahlkampf.

Mit langsamer Fahrt durch den Oktober

Und als ich gerade frohen Mutes war, kam die zweite Corona-Welle Anfang, Mitte Oktober. Die Infostände konnten mein Team und ich noch wie geplant durchführen – aber der Haustürwahkampf musste zurückgefahren und so manche öffentlichkeitswirksame Veranstaltung wie die Bushaltestellen-Aktion komplett gestrichen werden. Das Ganze gipfelte dann darin, dass sogar die öffentliche Bekanngabe des Wahlergebnisses im Haus des Gastes ausfallen musste – ein Ereignis, zu dem normalerweise neben den Familien und Freunden der Kandidaten auch Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kommen und den Bewerbern ihren Respekt bekunden. Nunja, stiller Wahlkampf – stiller Wahlabend.

Natürlich waren die Corona-Bedingungen für alle Kandidaten gleich. Doch insbesondere die Herausforderer hatten es unter diesen Umständen schwer, sich und ihre Ideen einer breiten Öffentlichkeit im direkten Austausch bekannt zu machen. So gesehen, hat der Amtsinhaber vom seiner Bekanntheit und seinem „Amtsbonus“ noch ein Stückchen mehr profitiert. Aber sei’s drum: Immerhin habe auch ich meinen bescheidenen Teil beigetragen, einen „Durchmarsch“ in die zweite Amtszeit zu verhindern. Denn nun kommt es am 22. November zur Stichwahl – das allererste Mal in der Geschichte Gladenbachs. Insofern ist schon etwas Wahres dran, wenn der Hinterländer Anzeiger den Ausgang der Wahl als „Denkzettel für Peter Kremer“ bewertet. Jetzt ist auch der Bürgermeister gefordert, noch genauer zu erklären, was sich in den kommenden sechs Jahren unter seiner Regie in Gladenbach verändern oder zum Besseren wenden wird.

Was hätte ich besser machen können?

Doch was hätte ich im Wahlkampf noch besser machen können? Eine erste Analyse innerhalb der Gladenbacher GRÜNEN kommt zu dem Schluss: Unter den Umständen nicht viel. Es freut mich natürlich und entspricht auch der Wahrheit, wenn HA-Redakteur Michael Tietz in seinem Kommentar zur Bürgermeisterwahl mir einen „engagierten Wahlkampf“ bescheinigt, der mit einem Achtungserfolg belohnt worden sei. Mit ein paar Tagen Abstand meine ich, ich hätte noch mehr in Gladenbach und den Stadtteilen unterwegs sein müssen – trotz Corona. Das persönliche Gespräch kann eine statische Webseite oder einen Facebook-Post nicht gleichwertig ersetzen. Möglicherweise hätte ich bei einigen Themen etwas bissiger agieren müssen, z.B. bei der Kita-Problematik: Die Versäumnisse der letzten Jahre habe ich nicht deutlich genug herausgestellt.

„Für eine grüne Wende scheint Gladenbach noch nicht bereit zu sein“, schreibt der HA. Das ist nun amtlich – zumindest was die Bürgermeisterwahl angeht. Aber ich meine, dass die allermeisten Themen und Ideen, die ich in meinem Programm für Gladenbach skizziert habe, über diese Wahl hinaus Bestand haben. Weil sie wichtig für alle Gladenbacher*innen sind. Weil sie unsere Stadt Schritt für Schritt besser auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. Und weil ich davon überzeugt bin, dass die Richtung die richtige ist. Es wird die meine und die Aufgabe der Gladenbacher GRÜNEN sein, dies in den nächsten Wochen und Monaten noch besser zu kommunizieren.

Was nehme ich mit aus dieser spannenden Zeit?

Egal wie das Ergebnis einer Wahl am Ende ausfällt – so richtig verliert man ja nie. Ich jedenfalls habe einiges gewonnen: Ich habe unglaublich viel über Gladenbach und die Menschen hier erfahren, habe die Stadt und die Stadtteile im Laufe der vielen Monate Wahlkampf aus einer ganz anderen Perspektive kennen gelernt. Aus den Dutzenden Gesprächen am Infostand, beim Einkaufen, am Telefon oder aus den zahlreichen Mails, die mich erreicht haben, nehme ich wertvollen Impulse mit in die zukünftige politische Arbeit. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an alle, die mir ihre Anliegen nahegebracht haben. Das ist selbstverständlich auch weiterhin möglich: Falls Sie mich erreichen wollen, jederzeit gerne!

Was ich auch aus dieser spannenden Zeit mitnehme: Die Erkenntnis, dass Wahlkampf mühselig und mitunter stressig sein kann – und dass er fair ablaufen kann. Meine Mitbewerber und ich sind miteinander stets freundlich und menschlich umgegangen. Mir war es von Beginn an wichtig, jeden mit Respekt zu behandeln. Denn – ich habe es ja auch schon an anderer Stelle schon öffentlich gesagt – ich bewundere den Mut eines jeden, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl!

Ich werde nun zwar kein Bürgermeister – aber ich will weiter Kommunalpolitik machen. Mein Engagement und meine Leidenschaft sind nicht an dieses Amt gekoppelt. Glauben Sie es oder nicht: Mir ging es nie um die üppige Besoldung eines hauptamtlichen Bürgermeisters oder einen schicken Dienstwagen, sondern um Gladenbach. Und deshalb bleibe ich am Ball. Im kommenden Jahr steht die Kommunalwahl an, und ich werde für die GRÜNEN sowohl für die Stadtverordenetenversammlung als auch den Ortsbeirat Gladenbach kandidieren.

Ich würde mich sehr freuen, wenn die 592 Gladenbacher*innen mir dann wieder ihr Vertrauen schenken!

Verwandte Artikel