Meine Pläne für die Fahrradmobilität in Gladenbach

Das ZukunftsForum Gladenbach (ZFG) hatte einige Fragen zum Radverkehr in unserer Stadt. Dazu haben die Engagierten der Projektgruppe allen Bürgermeisterkandidaten einen Fragebogen vorgelegt. Meine Antworten dürfen Sie als Konkretisierung des Aspektes „Bessere Fahrrad-Möbilität“ aus meinem Programm für Gladenbach verstehen.
Auf der Internetseite des ZFG können Sie die Fragebögen aller Bewerber ansehen, herunterladen und die Antworten direkt miteinander vergleichen. Die ca. 20 Minuten sind gut investierte Zeit!

Das sind meine Antworten:

Fahren Sie selbst mit dem Fahrrad?
Ich war bisher kein großer Radfahrer. Zum Geburtstag habe ich ein gebrauchtes Rad geschenkt bekommen, das mittlerweile repariert und verkehrstauglich ist. Also werden Sie mich künftig öfter auf dem Rad sehen. Ich muss aber noch kräftig üben.

Wie beurteilen Sie die Verkehrssituation für Radfahrende in Gladenbach und Umgebung?
Diplomatisch ausgedrückt, suboptimal und ausbaufähig. Aus der Kernstadt kommt man mit dem Rad noch einigermaßen gut nach Erdhausen und von dort weiter zur Petersburg oder nach Weidenhausen. Die Verbindung zwischen den Ausläufern der südlichen Kernstadt und Mornshausen/S. ist über den Salzböderadweg auch vorhanden. Aber das ist aus meiner Sicht nur Stückwerk: Für Radfahrende aus allen anderen Stadtteilen ist die Kernstadt hauptsächlich nur über Straßen zu erreichen – mit all dem Gefahrenpotenzial, das dort besteht. Generell finde ich Gladenbach noch nicht radfahrfreundlich.

Sind Ihnen die Radfahrenden so wichtig, dass Sie sich politisch für deren Interessen einsetzen werden?
Natürlich. Ich halte Fahrradmobilität für einen wichtigen Baustein der Verkehrswende. Bitte schauen Sie in mein „Programm für Gladenbach“ auf meiner Internetseite: Dort steht das Thema Radmobilität sehr weit oben – und das nicht erst, seit Sie mir Ihren Fragebogen geschickt haben.

Mein Maßnahmen-Katalog für den Radverkehr

Welche Maßnahmen fallen Ihnen ein, die die Situation für Radfahrende verbessern?
– Innerstädtisches Radverkehrskonzept des Landkreises für Gladenbach mit Nachdruck verfolgen und umsetzen
– Sukzessive Ausweisung eines Radrouten-Netzes zwischen den Stadtteilen und der Kernstadt durch Ertüchtigung bereits vorhandener Wege und eindeutige Beschilderung
– Langfristiges Ziel sollte die Schaffung eines Netzes aus richtigen Radwegen in Gladenbach sein
– Erarbeiten und Herausgabe einer Fahrradkarte für das Stadtgebiet Gladenbach
– Beim Bau von Straßen oder der Ausweisung neuer Baugebiete müssen die Belange des Radverkehrs (und auch des Fußgängerverkehrs) von Beginn an mit berücksichtigt werden
– Schaffung adäquater und sicherer Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, z.B. an Übergängen zum ÖPNV oder dort, wo man einkaufen kann (etwa mittels Fahrradparkhäusern, Fahrradständern, -bügeln)
– Ausweisung von Fahrradstellplätzen, v.a. auf dem Gladenbacher Marktplatz und Platz am Alten Amtshaus
– Aufhebung der Einbahnstraßenregelung für den Radverkehr dort, wo es möglich und für alle Verkehrsteilnehmer sicher ist
– Sensibilisierung der Radfahrenden, dass die Straßenverkehrsregeln auch für sie gelten. Denn Akzeptanz seitens der anderen Verkehrsteilnehmer entsteht nur, wenn die Radelnden sich nicht über Regeln hinwegsetzen, nur weil es dann für sie bequemer ist (z.B. rote Ampeln, Fahren auf dem Gehweg)

Radmobilität hat für mich hohe Priorität

Könnten Sie sich ein Radwegenetz für ganz Gladenbach mit Ortsteilen vorstellen (rund 50 km)?
Auf jeden Fall. Das wäre ein absoluter Gewinn für alle Gladenbacher*innen. Wer die Aussicht hat, sicher und relativ schnell mit dem Rad von A nach B zu kommen, wird wohl eher mal aufs Auto verzichten als in der jetzigen Situation. Es muss jedem aber klar sein: Ein Radwegenetz bekommen wir nicht von heute auf morgen. Das will gut geplant sein, und es sind sicher einige Hürden zu nehmen. Auch finanzielle: Ein Kilometer Radweg kostet zwischen 200.000 und 500.000 Euro (ohne Unterhaltung). Das Geld muss erwirtschaftet werden – oder von woanders herkommen. Da nehme ich den hessischen Verkehrsminister beim Wort, der im Mai 2020 gesagt hat: „Am Geld scheitert kein Radweg in Hessen“.

Mit welcher Priorität würden Sie als Bürgermeister eine kontinuierliche Umsetzung eines Radwegenetzes in Gladenbach ermöglichen?
Eine meiner ersten Amtshandlungen wird sein, die Weichen zu stellen, dass Gladenbach Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) wird. Dort können sich Kommunen in Sachen Fahrradmobilität beraten lassen, konkrete Tipps holen und mit anderen Kommunen vernetzen. Außerdem werde ich mich schnell erkundigen, wie weit das Radverkehrskonzept des Landkreises für unsere Stadt gediehen ist und dieses vorantreiben. Und darauf aufbauend in die Planung der Radrouten (s. Frage 4) einsteigen. Sie merken: Das Thema hat für mich hohe Priorität.

Können Sie sich vorstellen, Radfahrinteressen auf Landkreis- und Landesebene mit zu vertreten?
Ja, denn regionale Radwegplanung wird auf Landkreisebene gemacht. Bisher sind für das Haupt-Radnetz des LK drei Hauptachsen in Planung. Die Achse von Marburg ins Hinterland und weiter nach Herborn/Dillenburg fehlt völlig. Solch eine 4. Achse ist aber nötig, wenn es einen Anschluss Gladenbachs an die Radschnellverbindungen des Landes geben soll. Gladenbach ist da aktuell noch ein weißer Fleck. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Interessen der Stadt hier bisher nicht mit dem nötigen Nachdruck vertreten wurden.

Radfahrende Kinder besser schützen

Wie beurteilen Sie die Sicherheit für Rad fahrende Kinder in Gladenbach?
Das kann ich aktuell nicht wirklich beurteilen, würde aber jungen Drahteselreitern raten, lieber nicht die Bundesstraßen zu benutzen. Ob Kinder sicher mit dem Rad unterwegs sind, hängt auch von der richtigen Verkehrserziehung ab. Hier sehe ich die Eltern in der Pflicht. Kinder bis acht Jahre müssen, Kinder bis zehn können den Gehweg benutzen – das bedeutet aber, dass die Wege nicht zugeparkt sein dürfen. Hier muss die Stadt stärker kontrollieren, um die Sicherheit zu erhöhen. Auch auf andere Rahmenbedingungen wie etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen kann die Stadt Einfluss nehmen. Generell gilt: Radfahren wird auch für Kinder sicherer, wenn wir die passende Infrastruktur schaffen.

Sehen Sie touristisches Potential im Raum Gladenbach in Bezug auf Radfahrende?
Natürlich, Radwandern ist ein großer Trend und eine sehr umweltfreundliche Sportart – und wir haben hier einige Sehenswürdigkeiten und Orte zur Freizeitgestaltung, die für Touristen attraktiv sind. Dafür benötigen wir aber eine gut nutzbare Rad-Infrastruktur (s. Frage 4 und 7) und zugleich ein passendes Marketing, das die vielfältigen Möglichkeiten offensiv bewirbt und bekannt macht.

Werde auf Stellplätze am neuen Busbahnhof bestehen

Können Sie sich vorstellen, dass beim Neubau von einer Kindertagesstätte ein Fußweg sowie ein Radweg und Fahrradstellplatz gebaut werden?
Das kommt auf den Standort der neuen Kita an. Sie sollte am besten dort entstehen, wo es bereits Gehwege gibt, die ja als Fußwege dienen. Das gilt auch für das Thema Radweg. Ob ein separater Radweg-Bau möglich ist, muss man in Kontext betrachten. Denn es nutzt wenig, wenn solch eine Planung losgelöst von einem Gesamtkonzept gemacht wird. Dann haben Sie einen Radweg zur Kita, der den anderen Radfahrenden wenig bringt oder im ungünstigen Fall irgendwo im Nirwana endet. Ein Fahrradstellplatz vor einer Kita frisst kein Brot und sollte aus meiner Sicht zum Standard werden.

Können Sie sich vorstellen mit dem Landkreis und der Schule zusammen zu arbeiten, dass der Weg zur Schule mit dem Rad sicherer zurückgelegt werden kann?
Ja klar. Auch Schule und Landkreis müssen als Akteure mit an den Tisch, wenn es darum geht, ganzheitliche Konzepte zur Fahrradmobilität zu erarbeiten. Meine Hoffnung: Wer als Kind oder Jugendliche*r schon erfährt, dass er/sie sicher und bequem mit dem Rad zur Schule kommt, nimmt diese positiven Erfahrungen mit ins Erwachsensein – und benutzt dann häufiger das Fahrrad.

Wo gibt es Fahrradständer im Stadtgebiet? Thema Neuplanung Busbahnhof – können Sie sich dort einen Bereich für Fahrradstellplätze vorstellen?
Da fallen mir als Kernstädter das Haus des Gastes, das Rathaus, das Nautilust und das ein oder andere Geschäft ein. Ehrlich gesagt, kenne ich nicht jeden Fahrradständer im Stadtgebiet. Ich schätze, dass die Liste recht kurz wird. Fahrradstellplätze am Busbahnhof kann ich mir nicht nur vorstellen, ich werde darauf bestehen, wenn es an die Planungen zum Umbau geht! Gladenbach hat laut Gewerbeverein über 2.500 kostenfreie Parkplätze für Autos. Ich denke, es wird niemandem wehtun, wenn am Marktplatz davon zwei oder drei zu Fahrradstellplätzen umgebaut werden.

Von der Automobil- zur Mobilitätsausstellung

Was halten Sie davon, wenn die Automobilausstellung in eine Mobilitätsausstellung umgestaltet würde?
Das begrüße ich! Fragen Sie bitte bei den Gladenbacher GRÜNEN nach. Diese Idee habe ich schon bei unseren Programmsitzungen im Dezember 2019 in den Raum geworfen. Meine Anregungen: Neben den Kfz-Händlern könnten mehr Fahrradhändler ihre Produkte zeigen. Auf dem Radhaus-Parkplatz und der Karl-Waldschmidt-Straße könnte es eine Teststrecke geben, wo man E-Bikes und Lastenfahrräder mal ausprobieren kann. Der RMV könnte über seine Tarife für Bus und Bahn informieren, die Fahrradclubs über ihre Arbeit und und und. Die Entscheidung über eine Modifizierung der Ausstellung würde allerdings der Gladenbacher Gewerbeverein als Veranstalter treffen müssen. Ich habe vor, mit den betreffenden Personen darüber zu sprechen.

Könnten Sie sich einen Radfahrbeauftragten im Rathaus vorstellen?
Ein fester Ansprechpartner ist sicher wünschenswert. Vorstellen kann ich mir auch das, aber versprechen möchte ich mangels Einblick in die internen Abläufe nichts. Derzeit scheint mir die Verwaltung mit ihren etatmäßigen Aufgaben vollauf beschäftigt zu sein.

In Sachen Radverkehr stärker zusammenarbeiten

Im Falle Ihrer Wahl: Können Sie sich die Einrichtung einer Meldeplattform für Belange des Radverkehrs auf der Internetseite der Stadt Gladenbach vorstellen?
Derzeit werden viele Verwaltungsvorgänge digitalisiert, müssen es sogar. Da ist sicher noch Platz für eine Meldeplattform – aber am anderen Ende muss es auch jemanden aus Fleisch und Blut geben, die die Meldungen an die entsprechenden Stellen weiterleitet, damit daraus Handlungen werden. Auch solch eine Plattform gehört in ein Gesamtkonzept Radmobilität integriert.

Wollen Sie zukünftig in Fragen des Radverkehrs mit dem Zukunftsforum regelmäßig zusammen arbeiten?
Sehr gern – wir haben ja schon zarte Bande geknüpft. Ich finde es prinzipiell schade, dass wir in Gladenbach bei so vielen Belangen jeder für sich in seiner „Blase“ herumwerkelt. In Gladenbach steckt so viele kommunale Intelligenz, gibt es so viele Bürger*innen mit guten Ideen und fachlichem Knowhow. Das will ich als Bürgermeister bei wichtigen Themen, die uns alle betreffen, gern zusammenführen – in Form eines Bürgerforums für Austausch, Diskussion und Debatte. Das ZukunftsForum möchte ich dort gerne begrüßen dürfen.

Den Fragebogen können Sie sich als PDF herunterladen.

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